Vom Himmel ausgeschlossen? Archäologie ungetauft verstorbener Kinder in Mittelalter und Frühneuzeit

Von: Mag. Dr. Barbara Hausmair
Wann: Donnerstag, 11.11.2021, 18:30
Wo: Kaffeehaus Brennpunkt (https://brennpunktcoffee.at/), Ing. Etzl Str./Viaduktbogen  46-48
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Der Tod eines neugeborenen Kindes ist ein schmerzhaftes und traumatisierendes Erlebnis für Eltern und Familien, das nur schwer zu verkraften ist. Lange gingen Historiker:innen jedoch davon aus, dass Trauer um frühverstorbene Kinder ein kulturelles Phänomen der Moderne sei. In vormodernen Gesellschaften war die Kindersterblichkeit viel höher als heute und der Tod von Säuglingen keine Seltenheit. Daher – so glaubte die Wissenschaft lange – habe es zu diesen Zeiten kaum emotionale Reaktionen oder Trauer gegeben, wenn Kinder tot zur Welt kamen oder früh nach der Geburt verstarben. Doch stimmt das wirklich? Standen die Menschen früherer Epochen frühverstorbenen Kindern gleichgültig gegenüber? In diesem Vortrag führt Sie die Archäologin Barbara Hausmair in das christliche Europa des Mittelalters und der frühen Neuzeit. Besonders die Frage, ob Kinder mit oder ohne Taufe verstarben, war damals zentral, denn kirchliche Lehren prophezeiten ungetauft verstorbenen Kindern ein dunkles Schicksal im Jenseits: Sie sollten für alle Ewigkeit in der Vorhölle verweilen, getrennt von ihren Familien und ohne Hoffnung auf Auferstehung in den Himmel. Zusätzlich war ein christliches Begräbnis auf dem Gemeindefriedhof verboten. Anhand archäologischer Beispiele von Kleinkindgräbern aus Mitteleuropa zeigt Barbara Hausmair, dass der Umgang mit ungetauft verstorbenen Kindern jedoch vielerorts nicht den kirchlichen Vorgaben entsprach, sondern ein Bild von gemeinschaftlicher Fürsorge, Widerstand gegen die kirchlichen Vorschriften und von offiziellen Lehren abweichenden Vorstellungen zeichnet.

Autorin: Barbara Hausmair