Archäologische Forschungen am Monte Iato (Sizilien)

Der Monte Iato bildet mittlerweile mit seiner beinahe durchgängigen, über mehrere Jahrhunderte angewachsenen Stratigraphie einen festen Eckpfeiler der archäologischen Erforschung Siziliens. Dies gilt insbesondere auch für seine Frühzeit, in der seine indigenen Bewohner im Verlauf des 7. bis frühen 5. Jhs. v. Chr. immer stärker in Kontakt mit Phöniziern und Griechen getreten waren. Genau diese Zeit der fremdkulturellen Begegnungen und Transfers stehen auch im Fokus der Forschungen der Universität Innsbruck: Wie wurden etwa diese Kontakte und Transfers auf dem Monte Iato genutzt, um lokal oder gar regional Macht aufzubauen? Welche Rolle spielte dabei die Religion?

Das adäquate Untersuchungsfeld hierzu bildet das Areal zwischen dem Aphrodite-Tempel und dem Spätarchaischem Haus im späteren Westquartier der hellenistisch-römischen Stadt. Dort haben nämlich die Formen der Macht- und Elitebildung im Wechselspiel mit der sog. Großen Griechischen Kolonisation zu bedeutsamen Materialisierungen im archäologischen Befund geführt. Um diese zu aussagekräftigen Datensamples aufzuarbeiten, gilt es spezifische Herangehensweisen einer konsumorientierten Sozialarchäologie zu erarbeiten. Über Fundassemblagen und den Gebrauch einzelner Objekte soll so mehr über damalige Aktivitätszonen und die kausalen Zusammenhänge zwischen Lokalem und ‚Kolonialem‘ sowie zwischen Religion, Umverteilung und Machtbildung in Erfahrung gebracht werden. Vor allem neue Ansätze in den Material Culture Studies sind hierbei wegweisend. Denn materielle Kultur formt das Leben der Menschen, vermittelt zwischen ihnen und der Umwelt, habitualisiert HandlungsAa- und Wahrnehmungsmuster, vergegenständlicht also kognitive Prozesse. Infolgedessen sind Dinge keine passiven, zeitlosen Container spezifischer Kulturen oder vergangener Zeiten, sondern neben ihrer alltagspraktischen Funktion immer auch Werte- und Identitätsträger, die bei einer Veränderung ihres Benutzerumfeldes zumeist auch ihre Bedeutungen wechseln. Ihr alltäglicher genauso wie ihr außeralltäglicher Konsum führt deshalb zu bedeutsamen Materialisierungsformen menschlichen Zusammenlebens. Und genau diese gilt es in den frühen Schichten auf dem Monte Iato freizulegen. Denn sie ermöglichen Rückschlüsse auf örtlich und zeitlich vorherrschende „Register des Konsums“, die Konsumlandschaften („consumptionscapes“) präfigurierten und so Einblicke auf situative Werte- und Machtdiskurse „Zwischen  Aphrodite-Tempel und spätarchaischen Haus“ gewähren.

Weitere Informationen sind unter folgendem Link zu finden:
https://www.uibk.ac.at/projects/monte-iato/index.html.de

Autoren: Team Monte Iato