Organisation und Arbeitsweise in der römischen Keramikproduktion am Beispiel von Aguntum (OAKA)

Ziel des Projektes ist es, anhand einer detaillierten technologischen Klassifizierung unterschiedliche im Material aus Aguntum vertretene Keramikwerkstätten zu definieren und deren Arbeitsweise näher zu bestimmen. Um dieses Ziel zu erreichen ist es nötig, die Keramikherstellung in ihrem gesamten Tätigkeitsablauf (chaîne opératoire) von der Sammlung und Mischung des Rohmaterials über den Gefäßaufbau und die Verzierung bis hin zum Brennvorgang zu charakterisieren.

Die wesentlichen offenen Fragen in Bezug auf Technologie der Keramikherstellung sind:

  1. Welche Rohmaterialien wurden verwendet und wo kommen diese vor?
  2. Welche Technologie des Gefäßaufbaus wurde gewählt?
  3. Welche Brenntemperatur und Brennatmosphäre lässt sich nachweisen? Handelt es sich um Öfen oder offene Brände?

Der Fokus auf die Endprodukte der Töpfer wird ergänzt um eine Beprobung der Lagerstätten in der Umgebung Aguntums. Bislang ist lediglich eine entsprechende Tonlagerstätte chemisch charakterisiert. Im Zuge des Projektes gilt es weitere potenzielle Lagerstätten zu identifizieren und diese analog zur Keramik hinsichtlich ihrer Zusammensetzung zu charakterisieren. Auf diese Weise kann herausgearbeitet werden, ob die jeweiligen Werkstätten unterschiedliche, weit voneinander entfernte oder nahe beieinander liegende bzw. gleiche Lagerstätten verwenden. Diese Ergebnisse können in weiterer Folge auch als Grundlage für die direkte archäologische Identifizierung und Verortung der Werkstätten dienen.

Insgesamt ist es Ziel des Projektes ein Bild der diachronen Entwicklung des Handwerks der Keramikherstellung in der römischen Stadt Aguntum und deren Umgebung entstehen zu lassen. Die im Zuge dessen zu erkennenden technologischen Veränderungen im Zeitraum von der Gründung Aguntums im frühen 1. Jh. n. Chr. bis zum Ende der Stadt im 5./6. Jh. n. Chr. werden hinsichtlich anzunehmender Verknüpfungen mit weiterreichenden Veränderungen des soziokulturellen Umfelds bzw. der Bevölkerungsstruktur und –zusammensetzung zu beurteilen sein.

Autor: Martin Auer